Gamma Exposure, kurz GEX, misst, wie stark die Absicherung von Optionspositionen den Basiswert bewegt. Der Ausgangspunkt ist eine Kennzahl aus der Optionswelt: das Gamma. Gamma gibt an, wie schnell sich das Delta einer Option ändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts bewegt. Delta wiederum sagt, wie viele Einheiten des Basiswerts eine Option nachbildet.
Wer Optionen verkauft, meist sind das Market Maker oder Banken, übernimmt dieses Gamma-Risiko. Um es zu neutralisieren, kaufen oder verkaufen sie fortlaufend den Basiswert, im Fall des DAX also DAX-Futures. Dieses laufende Nachjustieren heißt Delta-Hedging.
GEX fasst über alle offenen Optionskontrakte zusammen, wie viel Basiswert diese Absicherer bei einer Kursbewegung handeln müssen. Berechnet wird es aus dem Open Interest der Optionskette und den zugehörigen Griechen.
Entscheidend ist das Vorzeichen des aggregierten GEX. Bei positivem Gesamt-Gamma wirkt die Absicherung dämpfend: Steigt der Kurs, verkaufen die Absicherer, fällt er, kaufen sie. Beides schiebt gegen die Bewegung und verringert die Schwankung. Bei negativem Gesamt-Gamma dreht sich das um. Die Absicherung läuft dann mit der Bewegung, kauft in steigende und verkauft in fallende Kurse, was Ausschläge verstärkt.
Ein Hinweis zur Einordnung: Ob das Vorzeichen positiv oder negativ ausfällt, hängt von der Annahme ab, dass die Absicherer netto Optionen verkauft haben. Diese Annahme ist gängig, aber sie ist ein Modell, keine direkt gemessene Größe. Die tatsächliche Positionierung aller Marktteilnehmer ist nicht vollständig beobachtbar.
Das DAX Gamma Cockpit berechnet GEX aus den ODAX-Optionsdaten der Eurex und übersetzt es in konkrete Kurslevels. Wo die Absicherung dämpft und wo sie verstärkt, lässt sich daran ablesen.