Diese Seite erklärt, woher die Daten kommen, wie daraus die täglichen Levels entstehen und wo die Grenzen der Methode liegen. Der Anspruch ist Transparenz statt Werbung.
Grundlage sind die ODAX-Optionsdaten der Eurex, die offiziellen Optionen auf den DAX-Index. Verwendet werden Settlement-Preise und Open Interest je Strike und Verfall. Aus ihnen lässt sich rekonstruieren, wo sich Optionsinteresse konzentriert und wie stark die Absicherung der Optionshändler auf Kursbewegungen reagiert.
Zuerst wird für jeden Strike die implizite Volatilität bestimmt. Dazu wird das Black-Scholes-Modell numerisch invertiert, per Newton-Raphson-Verfahren, bis der Modellpreis zum Settlement-Preis passt. Aus impliziter Volatilität, Restlaufzeit und Strike ergeben sich die Griechen, insbesondere das Gamma je Kontrakt.
Im zweiten Schritt wird das Gamma über alle offenen Kontrakte, gewichtet mit dem Open Interest, aufsummiert. Das ergibt die Gamma-Exposure-Landschaft. Aus ihr werden die Levels abgeleitet: der Wendepunkt als Kurs, an dem das aggregierte Gamma sein Vorzeichen wechselt, sowie Deckel und Boden an den Strikes mit dem höchsten Call- beziehungsweise Put-Gamma.
Ob das aggregierte Gamma positiv oder negativ ausfällt, hängt von einer Modellannahme ab: dass die Absicherer netto Optionen verkauft haben. Diese Annahme ist in der Praxis üblich, bleibt aber ein Modell, keine gemessene Größe. Die tatsächliche Positionierung aller Marktteilnehmer ist nicht vollständig beobachtbar. Wir nennen sie hier ausdrücklich, weil sie das Vorzeichen und damit die Deutung der Levels bestimmt.
Die Positionierung verschiebt sich mit jedem Handelstag und jedem Verfall. Deshalb werden die Levels vor jedem Handelstag neu aus den aktuellen ODAX-Daten berechnet. Ein Wert von gestern gilt heute nicht automatisch.
Die Levels sind eine Orientierung, kein Signal. Sie zeigen, wo die Absicherung dämpfen oder verstärken kann, nicht, ob ein Trade aufgeht. Weil die Positionierung geschätzt und nicht gemessen wird, sind die abgeleiteten Kurszonen Tendenzen, keine Gewissheiten. Wer den DAX handelt, sollte sie als einen Baustein unter mehreren behandeln.
Die folgenden Abschnitte definieren die Kennzahlen, die im Daily Briefing und auf diesen Seiten veröffentlicht werden. Es sind beschreibende Häufigkeiten über einen abgeschlossenen Beobachtungszeitraum. Sie sagen nichts darüber, was aus einer Kennzahl folgt, und nichts über einen einzelnen kommenden Handelstag.
Eine Hold-Rate ist ohne ihre Bezugsmenge nicht interpretierbar. Dieselbe Beobachtung ergibt zwei sehr verschiedene Zahlen, je nachdem, worauf man sie bezieht. Deshalb steht bei jeder veröffentlichten Hold-Rate dazu, welche Lesart gemeint ist.
| Lesart | Bezugsmenge | Was zählt als gehalten |
|---|---|---|
| konditional | Sitzungen, in denen der Kurs das Level erreicht hat | kein 5-Minuten-Schluss jenseits des Levels nach dem Erreichen |
| unkonditional | alle Sitzungen des Zeitraums | kein 5-Minuten-Schluss jenseits des Levels; Sitzungen ohne Berührung zählen als gehalten, Sitzungen jenseits der Eröffnung als nicht gehalten |
Die unkonditionale Lesart fällt zwangsläufig höher aus, weil sie alle Sitzungen mitzählt, in denen das Level nie in Reichweite war. Veröffentlichte Kennzahlen zu US-Indizes stehen üblicherweise in dieser Lesart. Ein Vergleich ist deshalb nur zwischen den unkonditionalen Werten definitionsgleich.
„Jenseits geschlossen“ heißt: mindestens ein 5-Minuten-Schluss oberhalb eines Levels in Widerstandslage beziehungsweise unterhalb eines Levels in Unterstützungslage. Ohne Toleranzband.
Quellen-Hinweis. Dass die publizierten SPX-Werte genau dieser unkonditionalen Definition folgen, ist im Projekt-Korpus nicht verifiziert — es ist die naheliegende Lesart, keine belegte. Der Vergleich gilt also gegen die hier ausgeschriebene Definition, nicht gegen eine bestätigte fremde.
Wörtlich aus der AuswertungDie Erreichensquote ist der Anteil der Sitzungen, in denen der Kurs das Level von innen erreicht hat, bezogen auf alle Sitzungen des Zeitraums. Sitzungen, die bereits jenseits des Levels eröffnet haben, zählen nicht als Erreichen von innen: bei ihnen gab es kein Erreichen aus der Spanne heraus.
Die Erreichensquote erklärt den Abstand zwischen den beiden Hold-Lesarten weitgehend. Je seltener ein Level erreicht wird, desto weiter liegen unkonditionale und konditionale Lesart auseinander.
Das Gamma-Regime ergibt sich aus dem Vorzeichen des gesamten Netto-Gammas über alle Strikes. Der veröffentlichte Anteil zählt die Sitzungen mit negativem Vorzeichen, bezogen auf alle Sitzungen des Beobachtungszeitraums.
Zur Belastbarkeit der Zuordnung. Gegen die gespeicherte Cockpit-Serie stimmt die hier gerechnete Regime-Zuordnung im obersten Betrags-Quartil zu 100 Prozent überein, im untersten zu 77 Prozent. Die Zuordnung ist also nahe der Null-Linie unscharf; Auswertungen, die auf das Regime konditionieren, weisen das aus.
Wörtlich aus der Auswertung| Kennzahl | Wert | Fenster | Bezugsmenge | Datenstand | Turnus |
|---|---|---|---|---|---|
| Hold-Rate Call Wall, unkonditionale Lesart | 82 % | Kassa-Sitzung 09:00 bis 17:30 | alle 467 Sitzungen (21.08.2024 bis 24.07.2026) | 24.07.2026 | quartalsweise |
| Erreichensquote Call Wall | 12 % | Kassa-Sitzung 09:00 bis 17:30 | alle 467 Sitzungen (21.08.2024 bis 24.07.2026) | 24.07.2026 | quartalsweise |
| Anteil Gamma-Short-Sitzungen | 59 Prozent | gesamter Beobachtungszeitraum | alle 467 Sitzungen (21.08.2024 bis 24.07.2026) | 24.07.2026 | quartalsweise |
Die Werte werden quartalsweise neu gerechnet; bis dahin gilt der ausgewiesene Datenstand. Eine dieser Zahlen ohne ihren Datenstand und ohne ihre Bezugsmenge weiterzugeben, macht sie unbrauchbar: Dieselbe Beobachtung ergibt je nach Bezugsmenge eine andere Zahl.
Ausgewertet werden die ODAX-Optionsdaten der Eurex zum Settlement des jeweiligen Vortages sowie der Kursverlauf des DAX-Futures in 5-Minuten-Schlusskursen, normalisiert auf die Zeitzone Europe/Berlin. Alle Levels stammen aus dem Stand des Vortages und stehen vor Handelsbeginn fest; sie werden nicht nachträglich an den Kursverlauf angepasst. Der Beobachtungszeitraum reicht vom 21.08.2024 bis 24.07.2026 und umfasst 467 Handelstage. Die Rekonstruktion weicht in einzelnen Punkten bewusst von der Live-Anwendung ab, und beim Datenanbieter fehlen einzelne Handelstage; beides ist in der Auswertung dokumentiert.
Betreiber des DAX Gamma Cockpit ist Christian Grambow. Fragen zur Methodik gehen an hallo@gammacockpit.com.